
Ein Missionar in Marzahn
Pfarrer Hartwig Neigenfind versteht seine Kirche als offenes Haus für jedermann
Von Helmut Herold
Marzahn - Die Puppe Paul hat einen breiten Mund und kann mit der Zunge wackeln. Und sie spricht zu den Kindern, die sich zur Christenlehre um Pfarrer Hartwig Neigenfind versammelt haben. Die Beschäftigung mit den Kindern ist eine der Pflichten von Pfarrer Neigenfind. Neben dem Religionsunterricht in der nahen Hobrecht-Oberschule und den Zusammenkünften seiner noch kleinen Gemeinde mit inzwischen 40 Mitgliedern.
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Mission heißt das Ziel des Pfarrers, und so steht denn an der ehemaligen Kita an der Schwarzburger Straße 8 «Evangelisch-lutherische Missionsgemeinde Berlin Marzahn». Dieser Name vermittelt alle wichtigen Informationen, sagt Pfarrer Hartwig Neigenfind. Es ist eine Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), es geht um die Mission, und dieses Ziel wird in Marzahn verfolgt.
Allerdings hat die moderne Mission nichts gemein mit der Bekehrung der Ureinwohner von Afrika und Amerika vor mehreren Hundert Jahren. «Wir machen das heute ohne Schwert», sagt Pfarrer Neigenfind lachend. Dass er seine Kirche im Norden von Marzahn angesiedelt hat, war Absicht: Gering ist dort die Zahl der Gläubigen, groß demzufolge die Herausforderung für den Kirchenmann. Neigenfind ist sich sicher, dass es auch in der PDS-Hochburg Menschen gibt, die den Wunsch nach Seelsorge verspüren.
So wächst denn seine Gemeinde, langsam aber sicher. Im Religionsunterricht hat er derzeit zwei Schüler. «Im kommenden sind es vielleicht schon zehn», hofft der Pfarrer. Denn darin ist er sich mit seinem Bischoff Diethard Roth einig: Mit großer Gelassenheit und Geduld soll den Menschen das Evangelium nahe gebracht werden.
Pfarrer Neigenfind setzt hauptsächlich darauf, dass es sich herumspricht, wie er Menschen in Bedrängnis hilft. Zum Beispiel jener Frau, die zu ihm kam und erzählte, dass ihr am nächsten Tag der Strom abgestellt wird. Des Pfarrers Anruf bei der Bewag brachte eine Woche Aufschub, in der das Problem mit Hilfe der Ämter gelöst werden konnte.
Marzahn macht Spaß, versichert Neigenfind, der die Menschen so akzeptiert, wie sie sind. Mit ihren Besonderheiten, Schwächen, Fehlern. Entscheidend sei der Glaube. Dass dieser auch für Nichtchristen erreichbar ist, daran glaubt der Pfarrer fest.
Aus der Berliner Morgenpost vom 10. Mai 2002
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